Eiweißreiche Ernährung bei Dekubitus: Der 4-Stufen-Plan von Prof. Dr. Markus Masin

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Mit einem strukturierten 4-Stufen-Plan von Prof. Dr. Markus Masin lassen sich Energie- und Eiweißziele bei Dekubitus zuverlässig erreichen.

Dekubitus und chronische Ulzera stellen Betroffene vor erhebliche Herausforderungen. Die Heilung erfordert einen deutlich erhöhten Energie- und Proteinbedarf, den viele Patienten über die normale Ernährung nicht decken können. Appetitlosigkeit, Schmerzen und Immobilität verschärfen die Situation zusätzlich. Prof. Dr. Markus Masin hat in über 27 Jahren klinischer Erfahrung einen praxisnahen 4-Stufen-Plan entwickelt, der systematisch von der Bedarfsermittlung über Kostanreicherung und orale Nahrungssupplemente bis zur Intensivierung bei stockender Heilung führt. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf und ermöglicht eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse des Patienten. Die ärztlichen Maßnahmen erbringen die zuständigen Fachärzte; die konsiliarische Koordination und der ernährungsmedizinische Behandlungsplan erfolgen durch das Team um Prof. Dr. Masin.

Der 4-Stufen-Plan nach Prof. Dr. Markus Masin gliedert sich wie folgt: Stufe 1 umfasst die Bedarfsermittlung mit Festlegung individueller Zielkorridore für Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht, Proteinzufuhr, Flüssigkeit und Mikronährstoffe. Stufe 2 setzt auf Kostanreicherung durch Praxisrezepte, proteinreiche Zwischenmahlzeiten und gezielte Anreicherung der Hauptmahlzeiten. Stufe 3 ergänzt – bei Bedarf – orale Nahrungssupplemente (ONS) oder Module, u. a. mit Protein, Leucin/HMB sowie ggf. Arginin-, Zink- und Vitamin-C-angereicherten Formulierungen. Stufe 4 greift bei stockender Heilung und umfasst einen Ursachen-Check mit Biofilm-Diagnostik, Perfusionsprüfung und Eskalation der Therapie. Diese strukturierte Vorgehensweise verhindert unnötige Hochkosten durch frühzeitige bedarfsgerechte Eskalation und ermöglicht eine transparente Dokumentation für Kostenträger. Die konsequente Verlaufskontrolle mit Fotodokumentation sichert die Qualität und erleichtert die Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Stufe 1: Bedarfsermittlung und Zieldefinition

Der erste Schritt ist die präzise Ermittlung des individuellen Bedarfs. Alter, Grunderkrankungen (z. B. Diabetes), Wundgröße und Entzündungsgrad beeinflussen Energie- und Proteinziele.

• Energie: in der Regel 30–35 kcal/kg KG/Tag, bei ausgeprägter Katabolie ggf. höher (individuell, klinische Situation beachten).

• Protein: typischerweise 1,25–1,5 g/kg KG/Tag; höhere Mengen bis 2,0 g/kg nur zeitlich begrenzt und streng indiziert (z. B. große Exsudatverluste) – Nierenfunktion und Hydratation berücksichtigen.

Konkretes Beispiel: 70 kg → 2100–2450 kcal/Tag und 88–105 g Protein/Tag.

• Flüssigkeit: ca. 30 ml/kg KG/Tag, bei Fieber/hohem Exsudat mehr; bei Herz-/Niereninsuffizienz individuell anpassen.

• Mikronährstoffe: Zink und Vitamin C sind für Kollagen- und Immunfunktion relevant; Vitamin A/D nur bei nachgewiesenem Mangel oder klarer Indikation.

Zur Bedarfsermittlung nutzt das Team validierte Screening-Instrumente wie NRS 2002 oder MUST; beide sind alltags­tauglich und liefern reproduzierbare Ergebnisse.

CTA: Digitalen Stufenplan anfordern.

Stufe 2: Kostanreicherung im Alltag nach Prof. Dr. Markus Masin

Bevor Supplemente eingesetzt werden, werden die Möglichkeiten der gewohnten Ernährung ausgeschöpft – energie- und protein­dichte Kost ohne größere Portionen.

Praktische Beispiele:

Hauptmahlzeiten

• Sahne in Suppen/Soßen einrühren

• Butter über Gemüse geben

• Käse über Aufläufe reiben

• Milchpulver in Kartoffelpüree mischen

Zwischenmahlzeiten

• Quark mit Leinöl und Obst

• Nüsse und Käsewürfel

• Hartgekochte Eier

• Milchreis oder Grießbrei

Getränke: Ein relevanter Anteil der täglichen Flüssigkeit kann über energie-/protein­haltige Getränke gedeckt werden (z. B. 200 ml Vollmilch ≈ 130 kcal, 7 g Protein). Smoothies aus Obst, Milch/Joghurt und Haferflocken sind praktikabel.

Psychologie: Anreicherung möglichst unaufdringlich gestalten; Angehörige/Pflegekräfte bereiten vor, ohne Druck aufzubauen – das erhöht die Akzeptanz.

Stufe 3: Orale Nahrungssupplemente und Module

Reicht die Kostanreicherung nicht aus, folgen ONS:

• Hochkalorisch (z. B. 2 kcal/ml) für Patienten mit geringem Appetit.

• Proteinbetont (z. B. ≥ 20 g/Portion) zur Unterstützung der Wundheilung.

• Spezialformeln mit Arginin, Zink und Vitamin C können – je nach Indikation – die Heilung fördern (insbesondere bei Dekubitus ab Grad 2).

• Proteinmodule (neutral) steigern flexibel den Proteingehalt von Speisen/Getränken (≈ 10 g/Meßlöffel).

Leucin/HMB: Leucin-Impulse (~ 3 g Leucin pro Hauptmahlzeit) bzw. HMB können die Muskelproteinsynthese stimulieren; Einsatz indikations- und verträglichkeits­gerecht, in die Gesamteiweißzufuhr integriert und unter fachlicher Steuerung.

Stufe 4: Intensivierung bei stockender Heilung

Stagniert die Heilung trotz optimierter Ernährung, folgt ein standardisierter Ursachen-Check (koordiniert durch Prof. Dr. Masin):

• Biofilm-Management: klinische Beurteilung ± mikrobiologische Abstriche; konsequentes Debridement, Antiseptik, ggf. Kaltplasma (CAP).

• Perfusion: ABI/Doppler (ggf. transkutane Sauerstoffmessung); bei venösem Ulcus Konsequente Kompression (Indikation nach Durchblutung), beim diabetischen Fuß Off-Loading optimieren.

• Infektionen/Metabolik: Entzündungsparameter, Blutzucker, Anämie, Mangelernährung.

Eskalation der Ernährungstherapie: Wenn enteral – trotz ONS/Module – keine ausreichende Zufuhr gelingt, enterale Sondenernährung erwägen; parenterale Ernährung bleibt strenger Ausnahmefall (z. B. schwere Malabsorption) und erfolgt nach ärztlicher Indikationsstellung.

Prof. Dr. Markus Masin, promovierter Medizinwissenschaftler und Professor für Ernährungsmedizin sowie Diabetologie, verfügt über langjährige Expertise in der Planung komplexer Ernährungsstrategien. Als Direktor des Medical Institute for Nutrition Science and Technology (MINST) in Riga und Direktor der Regeneration Clinic in Riga koordiniert er die konsiliarische Einsteuerung und Übergabe; die ärztliche Durchführung (Diagnostik, Aufklärung, Verordnungen) liegt bei den zuständigen Fachärzten.

Dokumentation und Verlaufskontrolle

Der 4-Stufen-Plan lebt von konsequenter Dokumentation: Körpergewicht, Wundfläche, Exsudatmenge, Schmerzskala (0–10), Fotodokumentation. Die Daten sichern Qualität, ermöglichen zielgerichtete Anpassungen und sind für Kostenträger transparent.

Der stufenweise Aufbau verhindert Fehlinvestitionen, fokussiert Ressourcen dort, wo sie Wirkung entfalten, und gibt Patienten Struktur und Orientierung. Viele Betroffene berichten, dass sie sich durch die systematische Herangehensweise ernst genommen fühlen. Die konsiliarische Beratung und Koordination erfolgen durch Prof. Dr. Masin; die ärztlichen Leistungen erbringen die jeweiligen Fachärzte vor Ort. Ein digitaler Stufenplan mit konkreten Maßnahmen wird an Hausarzt und Pflegedienst übermittelt.

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